Wenn man zwanzig Wahnsinnige aufs Erzgebirge loslässt…

Mit ein wenig Zweifel, ob denn auch das ganze Gepäck von 19 Leuten, Ausrüstung, Zelte, Kochzeug und Verpflegung in den Autos unterbringen würde, traf sich die Jugendgruppe frühmorgens am 20. August in Pfarrkirchen. Als es dann plötzlich 20 Leute am Parkplatz waren, wurden die Augen erstmal groß, doch letztendlich schafften wir es doch, alles zu verstauen und schon ging es los Richtung Osten. Schnell nach der Ankunft, als alle Zelte standen, trennte sich die Gruppe. Während sich ein Teil hochmotiviert auf den Weg zu den Greifensteinen machte (und sich dabei einen ungünstigen Parkplatz aussuchte), vertrieb sich die andere Hälfte bei eher kühleren Temperaturen die Zeit mit einem ziemlich kurzem, erfrischendem Bad im angrenzenden Stauweiher, einem Besuch auf dem Kinderspielplatz, wo es uns vor allem die coolen Schaukeln angetan hatten, und mit Warten, dass wir endlich aufs Volleyballfeld dürfen. Daraus wurde dann aber nichts mehr dank ein paar Grantlhuaban. Stattdessen machten wir uns lieber unser traditionelles „erster-Abend- Essen“: Nudeln mit Tomatensauce (die uns am Schluss sogar ausgingen).

Nachdem der Abend aufgrund minimaler Schweinskälte nicht zu lang wurde, gings am nächstenMorgen mehr oder weniger ausgeschlafen und frisch gestärkt gleich an die nahegelegenen Greifensteiner Kletterfelsen. Nach einer ersten Gewöhnungsphase an den unförmigen Fels, legten wir richtig los und erst am Abend, als es schon langsam dämmerte kamen die letzten Nachzügler zurück zum Campingplatz. Dort erwartete uns der erste Verlust: Aufgrund einer Aussage eines Jugendleiters („Spannts den Pavillon ned ab, sonst hauts uns überd Schnürl drüber.“) flog unser Pavillon wegen heftigen Windböen ein wenig über die Zeltwiese, bis liebe Nachbarn ihm vorm Davonfliegen hinderten und immerhin den zweiten noch retteten.

Tag drei begann mit einer laaaangen Suche nach einem Parkplatz, der in gehbarer Nähe zum Fels lag. Aufgrund von Bauarbeiten wurde uns dies aber verwehrt und so entschieden wir uns kurzerhand um und fuhren an die Himmelmühlenwände. Ausnahmsweise blieben hier die Klemmkeile und Friends im Rucksack, da das Gebiet überdurchschnittlich gut abgesichert war. Auch wenn wir nur einen halben Tag dort verbrachten, schafften einige es doch, alle Routen durchzuklettern. Vor der Heimfahrt deckten wir uns noch gut mit Pfifferlingen ein, wir wollten schließlich nicht wie am ersten Tag enden. Noch bevor wir wieder am Auto ankamen, stellten wir den zweiten Verlust fest. Solange wir auch suchten, jeden Stein umdrehten, Seil Nummer 12 blieb verschwunden. Wer einen Tipp hat, wo es hingekommen sein kann, darf sich jederzeit bei uns melden! 😛 Die Frage nach des Rätsels Lösung beschäftigte uns noch den ganzen Abend, bis sich die Gruppe langsam auflöste und aufgrund der noch immer anhaltenden nächtlichen Kälte in die Schlafsäcke kroch. Doch gemütlich wurde es für ein paar auch dort nicht, denn in einem Zelt hatte sich eine Ratte eingenistet (und eingeka…). Die Jagd auf dieses, von den einen als süß angesehene, von anderen als eher ekelhaft abgestempelte Tier zog sich nicht nur durch diesen Abend, sondern auch die nächsten Tage. Kreatives Fallenbasteln und Rattenjagen mit Töpfen, Stöcken und ähnlichen, sorgte für den ein oder anderen Lacher.

Ganz aufgeben wollten wir die Wolkensteiner Schweiz (das Vortagesziel) trotzdem nicht. So machten wir uns für einen Vormittag auf den Marsch zu den Felsen. Die Mitte der Woche wurde dann zu unserem gemütlicheren Tag. Nach ein paar Routen ging es zurück an den Campingplatz und zum Stauweiher, wo der Tag mit Massagen, Rutschen (jetzt wissen wir auch, dass wir weder auf dem Bauch noch mit Kopf voran, geschweige denn beides in einem, rutschen dürfen), schwimmen und Volleyballspielen, gemütlich weiterging. Für Stress sorgte nur das Einkaufsteam, das vor lauter Vorfreude aufs Grillen, den Autoschlüssel im Kofferraum einsperrte. Mitsamt dem Grillfleisch natürlich. Das Problem gelöst hat uns der ADAC zwar relativ schnell, dafür hat er dann aber scheinbar auch unsere guten Bauchscheiben mitgehen lassen. Denn Verlust Nummer 3 stellten wir nach dem Grillen fest: 10 Bauchscheiben waren und bleiben wohl für immer verschollen.

Den ersten richtig heißen Tag verbrachten wir gemütlich an den Wolkensteiner Wänden. Dass es wirklich warm war, erkannte man am Wasserkonsum, der ungefähr das Doppelte betrug wie an den Tagen zuvor. Man munkelt allerdings auch, dass dies an einem Teilnehmer mit guter Wasserdurchlaufgeschwindigkeit liegen könnte. Als der Schweiß schon beinahe von der Felswand tropfte, gings über den steilen Zustieg zurück zum Auto und von dort mit viel „aramsamsam“, „UIUAA ting teng walla walla bing beng“ und „AEIUO du gehörst auch mit dazu“ zurück an den Stützpunkt. Endlich war es auch abends warm genug, dass wir uns noch gemütlich zusammensitzen konnten, um die fleißig eingekauften Chipstüten zu vernichten.

Unsere beiden neuen Jugendleiter wurden am nächsten Tag auf dem Zustieg zur Teufelsmauer im Katzensteingebiet ausgetestet – was soll man sagen? Nachdem wir dann auch noch auf tschechisch begrüßt wurden (bayrisch hört sich scheinbar für einen Sachsen wie tschechisches Kauderwelsch an), sind wir letztendlich doch noch angekommen. Mit leichten Verzögerungen, aber nach den letzten Metern durch den Bach, erreichten wir den Fels, der bei uns Kletterwütigen schiere Begeisterung auslöste. Für die Genusskletterer fanden sich genügend einfachere Routen, während sich die Cracks auch mit schwierigeren Routen und knackigen Bouldern auseinandersetzen konnten. Der Bau eines Staudammes rundete den Tag gut ab, beziehungsweise endete für einen Finger mehr platt als rund. Zu neunt ging es anschließend zum Einkaufen, wobei die mitgebrachten McDonalds Tüten erst nach einer Weile für Begeisterung sorgten. Bis wir feststellten, dass in den Tüten gar keine Burger waren, sondern so gesundes Zeug wie Gurken und Tomaten, mussten wir durchaus lachen. Das selbstgemachte Schwammerlrisotto mit den eigenen Pfifferlingen schmeckte eben doch besser.

Da das Wetter am letzten Tag anfangs nicht so mitspielen wollte, gings mit versammelter Mannschaft in die Kletterhalle nach Chemnitz. Diese Abwechslung kam in der Gruppe so gut an, dass einige Verrückte 20 oder gar 30 Routen kletterten. Ausprobiert wurden natürlich auch die anderen Elemente wie die hohe Strickleiter und einige Elemente, die sich als durchaus wackelig herausstellten. Erst gegen 19 Uhr abends ging dann doch die Kraft langsam zur Neige und nach einer warmen, ausgiebigen Dusche (am Campingplatz hatte man nur 3 Minuten), gings in Richtung Geyer, wo wir uns unser wohlverdientes Abendessen abholten. 6 Partypizzen (60x40cm) verputzten wir bis auf 3 Stücke ohne Probleme. Den Abend verbrachten wir fröhlich blödelnd und singend, bis ein Dauercamper auf unseren „wunderschönen Gesang“ aufmerksam wurde. Wir wiesen ihn zwar mehrfach daraufhin, dass wir eben nicht die Regensburger Domspatzen waren, sondern die andere Gruppe die guten Sänger dabei hatte, doch er wollte es einfach nicht glauben. Bis – ja bis wir dann anfingen zu singen. Mit einem „Vielleicht waren es doch die anderen“, ließ er uns kurzerhand stehen, kehrte nach wenigen Minuten jedoch zurück, da es bei uns viel lustiger zuging. Verzweifelt versuchten wir ihm „UIUAA ting teng walla walla bing beng“ oder den „Haberfeldtreiber“ beizubringen, was allerdings nur bedingt klappte. Beeindrucken konnten wir ihn dann aber doch noch, als einer unter uns sein schönstes Sächsisch rausriss: „Gönig Gal gönde gene Gummelgöna gon.“ Na wer kanns übersetzen? Viele Flachwitze später („Was ist grün und sitzt auf dem Klo?“ – Ein Kacktus) gings dann zum Einhorn entführen, dem wir sogar einen schönen Stall bauten und Futter hinstellten. Das Angebot für 3€ 5min reiten wollte die Nachbargruppe dann aber leider nicht annehmen. Dabei hätten wir uns so sehr gefreut.

Nach dieser ziemlich kurzen Nacht gings dann leider schon wieder ans Abbauen und Packen. Mittlerweile sind wir geübt und fingen an den Bus so gut zu packen, dass wir am Schluss das Leergut einer Woche und viele weitere lose Dinge nur noch achtlos oben drauf schichten konnten, da wir sonst zu viel Platz im Bus gehabt hätten. Gut gelaunt traten wir mit der Erkenntnis, dass wir die tollste Gruppe der Welt mit einem wahnsinnig starken Zusammenhalt sind, den Heimweg nach Pfarrkirchen an.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Zurück
%d Bloggern gefällt das: