Kanutour am Tagliamento

Kanutour der Jungmannschaft, 19. – 21. Mai 2018

 

Angeheizt durch wunderschöne Bilder aus dem Internet machten sich 6 junge Erwachsene der Jungmannschaft des DAV Pfarrkirchen auf nach „Bella Italia“, genauer Tolmezzo, um dort die wilden Wasser des Tagliamento zu befahren. Dass diese gar nicht so wild, und dafür umso kälter sind, sollte noch herausgefunden werden.

Nachdem samstags zeitig gestartet wurde, verging die Anfahrt wie im Schlaf und ausgeruht machte sich ein Teil der Mannschaft daran, das umfangreiche Equipment auszupacken. Währenddessen parkte die Erkundungsgruppe ein Auto für die Rückfahrt an der geplanten Ausstiegsstelle. Da der Tagliamento zwar nahezu unbebaut ist, jedoch im Unterlauf zur Bewässerung genutzt wird, wurde der Wasserpegel im Vorfeld schon mit Sorge beobachtet. Doch die Truppe hatte Glück und der Fluss führte so viel Wasser, dass die Tour spontan um „ein paar Kilometer“ verlängert wurde. Zurück am Ausgangspunkt war die Ausrüstung schon in vermeintlich wasserdichten Säcken verstaut. Es musste nur noch kurz gefeilscht werden, wer davon wie viel in sein Boot nimmt. Gute Vorbereitung dauert und so war es früher Nachmittag als die drei Schlauchkanadier zu Wasser getragen wurden. Nach einer Einweisung in Sicherheit und Technik ging es los. Rasant trug der Tagliamento die Mannschaft Richtung Süden und galt gleich zu Beginn die ersten Hürden zu meistern. Es dauerte dennoch nicht lange und man war mit dem neuen Fahrgefühl vertraut. Jetzt war auch Zeit, die grandiose Landschaft zu genießen. Durch die östlichen Ausläufer der Karnischen Alpen ging es bis in die deltaartige Kieslandschaft, wo von links die Fella den Tagliamento speist. Deren Wasser ist von noch intensiverem Türkis und vor lauter Staunen war die Suche nach einem Schlafplatz kurz vergessen. Doch die zahlreichen Kiesbänke bieten genug Gelegenheiten anzulanden. Dass einige Schlaf- und Biwaksäcke weniger wasserdicht verstaut waren als geplant, sorgte für kreative Ideen, wie sich alternative Schlafplätze schaffen lassen. Aber dank dem warmen Wind, den letzten Strahlen der Abendsonne und schließlich eines großen Feuers wurde alles wieder trocken. Und so ließ man den ersten Tag bei Lagerfeuer unterm Sternenhimmel ausklingen.
Am nächsten Morgen führte die Fahrt bei bestem Wetter aus den Bergen heraus in die weiter werdende Landschaft Richtung Adria. Vom Vortag hatte man einiges gelernt und dank guter Paddel-Technik blieb viel Zeit, die Natur und das Wasser zu genießen. Der wilde und sich verzweigende Flusslauf ließ trotzdem keine Langeweile aufkommen und sorgte für manche Überraschung sowie eine längere Pause. „Rechts herum“ und „Links herum“ ist eben nicht für alle das gleiche. Dank vieler Highlights, wie dem schmalen Durchbruch bei Pinzano oder den zahlreichen Wasserstufen, verging der zweite Tag auf und im Wasser viel zu schnell. Dank ausgeklügelter Gepäckverteilung war das zweite Nachtlager dafür deutlich schneller und trockener errichtet. Lediglich das Kochen bot Herausforderungen – doch Pasta mit Raucharoma und selbst geschnitzten Löffeln oder Stäbchen ist manchmal auch in Ordnung.

Nach langem Frühstück und kurzer Orientierung war am nächsten Tag klar: noch zwei bis vier Stunden Fahrzeit, dann steht in einer Rechtskurve links hinten das Auto. Genug Zeit um auch mal auf einer Kiesbank mitten im Fluss Brotzeit zu machen und die italienische Hitze mit kalten Wasserschlachten zu bekämpfen. Der Tagliamento ist wohl einer der wenigen Flüsse die weniger Wasser führen, je weiter man hinabfährt und deshalb gehörte auch aussteigen und treideln immer wieder dazu. Wenn es im Kanu allzu bequem war, wurden auch Lösungen gefunden, um das zu umgehen. Es gab sogar erfolgreiche Versuche, durch korrektes Steuern ein Auflaufen zu umgehen. Trotzdem trugen die Wellen die sonnenerprobten Kanuten viel zu schnell Richtung Ausstieg. Für die Vorausfahrenden sogar so schnell, dass dieser glatt übersehen wurde. So kam ganz zum Ende noch die Erfahrung hinzu, wie es ist, gegen den Strom des Tagliamento zu fahren. Eine zusätzliche Trainingseinheit, die bestimmt nicht geschadet hat. Boote zu säubern und zu verpacken dauert fast solange wie sie aufzubauen. Besonders wenn es immer wieder durch Baden unterbrochen wird. Aber ein eingespieltes Team kann auch das nicht aufhalten und irgendwann war es Zeit, Abschied zu nehmen vom Tagliamento und auch von „Bella Italia“. Bereits bei der Heimfahrt schwelgte man in Erinnerungen und diese werden allen Teilnehmern noch lange im Gedächtnis bleiben.

Alles in Allem war es eben kein Luxusurlaub – oder etwa doch?

Wir sagen: Nächstes Jahr wieder!

Hinterlasse einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: