Kraxln, baden, Spaß haben – Jugendgruppe unterwegs im Klettereldorado Paklenica

Fürs alljährliche Klettercamp hatte man sich dieses Jahr im Vorfeld für den Süden entschieden. Klettern und im Anschluss baden im Meer, das lässt sich im kroatischen Paklenica herrlich kombinieren und somit ging es frühmorgens um 5 Uhr auf die achtstündige Reise ins wunderschöne Dalmatien.
So wunderschön wie erwartet, empfing uns das Land allerdings nicht: Nachdem es uns bereits auf der Hinfahrt auf den letzten Kilometern kräftig durchgeschüttelt hatte im Bus, gestaltete sich der Zeltaufbau bei starken Windböen doch als äußerst interessant. Dem Teamwork sei Dank, dass die Gruppe es trotz allem noch vor dem einsetzenden Regen schafften, beide Zelt zumindest vorerst aufzustellen.
Das erste gemeinsame Abendessen fiel dann sogleich mit ins Wasser, da bei Starkwind und Regen keiner der sonst so motivierten Jugendleiter die Begeisterung fand, Nudeln mit Tomatensauce zu kochen. Stattdessen gab es zum ersten Mal in der Geschichte der Klettercamps „nur“ eine deftige Brotzeit zur Stärkung, bevor sich der Großteil der Truppe mutig in die Wellen der Meeresbucht, die direkt an den Campingplatz anschloss, warf und erste Schwimmversuche wagte.
Pünktlich zum Sonnenuntergang blitzten dann doch noch die ersten wärmeren Strahlen hinter den schwarzen Wolken hervor und tauchten alles in ein magisches Schauspiel. Einige akrobatische Übungen später wurde es dann aber leider so ungemütlich, dass man sich für die erste Nacht in die Zelte verzog.
Dass sich diese allerdings alles andere als gemütlich gestalten würde, schwante uns schon, als wir sahen, wie der Wind die Zelte nur so platt drückte. Mit Windböen um die 100km/h die ganze Nacht durch, bekamen die meisten aufgrund von Zeltplane im Gesicht und lauten Sturmgeräuschen nicht allzu viel Schlaf ab und ein paar verdrückten sich sogar mitten in der Nacht in die sicheren „Mauern“ des Vereinsbusses zum Schlafen.

Am nächsten Morgen krochen dann alle noch ziemlich verschlafen aus den Schlafsäcken, doch die Aussicht auf die ersten Kletterrouten brachte die Hummeln im Hintern schnell wieder zurück. Vielleicht war es aber auch doch die Kombi aus Banane und Kaffee, die die Energie bei einer gewissen Person zurückbrachte, man weiß es nicht. Frisch gestärkt ging es nach einigen Reparatur- und Sicherungsarbeiten am großen Gruppenzelt mit den Autos zum Nationalpark Paklenica. Dort angekommen konnte es gar nicht schnell genug gehen und so hingen die ersten Seile schon an der Wand, bevor so manch einer überhaupt Zeit hatte, sich seine Kletterschuhe anzuziehen. Bis in den späten Nachmittag wurde bei immer besser werdendem Wetter das Klettergebiet, das sich schier ins Unendliche dehnen zu schien, unsicher gemacht.
Zurück am Campingplatz dann zweierlei Überraschungen: Der Wind war weg! Dafür aber das Gruppenzelt kaputt. Einigen Stangen und Schnüren hatte das Unwetter übel zugesetzt und so wurde alles notdürftig repariert, damit das Zelt die Woche noch überstehen konnte.
Nach einem erfrischenden Bad im Meer, das vom ein oder anderen eher als langweilig empfunden wurde, da der Wellengang kaum mehr spürbar war, gab es endlich die heißersehnten Nudeln mit Tomatensauce, die auch dieses Jahr wieder ratzeputz bis auf den letzten Löffel Sauce verputzt wurden. Dank dem traumhaften Wetter, verbrachte man den Abend noch gemütlich auf der  Bouldermatte oder am Strand.

Der Dienstag wurde zu einem weiteren absoluten Traumtag. Nicht alle waren begeistert davon, so früh (um 7 Uhr) aufstehen zu müssen, doch wollte die Gruppe einmal eher am Fels sein, um sich die besten Routen sichern zu können. Auch an diesem Tag gab es Banane im Kaffee. Eine Masche? Da man an diesem Morgen keine Zelte mehr fixieren musste, gelang dies mühelos und nur wenige Autos waren bereits vor uns am Parkplatz. Auch an diesem Tag wurden die Finger an den Wänden des Nationalparks abgewetzt an den immerhin teilweise doch noch sehr griffigen, eher scharfkantigen Routen. Zur Beruhigung der Haut fand sich aber auch immer wieder eine Route, die schon sehr abgespeckt war.
Im Laufe des Tages wurde nicht nur das Wetter so heiß, dass man nach dem Sichern die Sicherungsgeräte nur noch in die Ecke fliegen sah, sondern die stärksten Teilnehmer waren so im Flow, dass sie sich an Routen im achten bis neunten Schwierigkeitsgrad wagten.
Nach einem kurzen Massage-Mittagstief, das durch ein Eis beendet wurde, wagten die jüngeren Teilnehmer erneut einige Vorstiegsversuche. An den glücklichen Gesichtern war leicht abzulesen, wie viel Spaß ihnen diese neue Besteigungsart machte.
Das anschließende Einkaufen gestaltete sich nicht sehr einfach, weil in der Gegend um Starigrad/Paklenica ausschließlich kleinere Supermärkte zu finden sind, deren Sortiment nur begrenzt ist. Trotzallem fand sich genug Knoblauch und auch Würstl, Zucchini und Brot für einen gemütlichen Grillabend. Das alltägliche Baden mit Luftmatratzen, Schwimmreifen und Melone brannte an diesem Tag noch den letzten Dreck aus den kleinen Schürfwunden, bevor die abendliche Massagerunde auf den Bouldermatten eröffnet wurde.

Müde Gesichter auch am Mittwoch morgen, als man nach einem ausgiebigen Frühstück (mit Bananenkaffee) zeitig nach Mali Vaganac aufbrach. Bereits die Aussicht auf der Fahrt war so atemberaubend schön, dass spätestens am Parkplatz angekommen, jeder von der Schönheit des kroatischen Klettergebiets überzeugt war. Super griffige Touren, Wasserrinnen und Strukturwände und ein gigantischer Ausblick – an diesem Tag war wirklich für jeden etwas dabei. Und dennoch merkte man den ein oder anderen Muskelschmerz an Tag drei. Mit einer großen Wassermelone genoß die Truppe den Nachmittag deshalb eher gemütlich am Strand und abends belohnte man sich wieder mit einer gewaltigen Ladung Knoblauch. Dazu gab es Cevapcici, bayerisch verfeinert mit ein wenig, also einer großen Portion, Kartoffeln. Mit Tränen in den Augen klang der Abend mit einigen Flachwitzen aus.

Das warme, sehr sonnige Wetter setzte sich auch am „rest day“ fort. Scheinbar brauchte unser Bananenkaffee – Teilnehmer an diesem Tag nicht so viel Energie, denn zum ersten Mal landete die Banane nicht im Kaffee, sondern „nur“ im Chia Brei.
Bei einer gemütlichen Wanderung, die teilweise gar nicht so gemütlich war, weil einige es dann doch sehr eilig hatten, erkundete man die hinteren Ecken des Nationalparks und erklomm den wahnsinnig anspruchsvollen Touriweg bis zur großen Tropfsteinhöhle „Manita Pec“ (Verrückte Höhle). Über dreißig Meter hoch war die höchste Halle dieser mit Stalagmiten und Stalagtiten durchsetzte Höhle. Nach einer halben Stunde in den Tiefen des Berges wurde es dann bei nur 7 Grad in T-shirt und kurzer Hose doch äußerst kühl und man trat die Flucht ins Freie an, was der Guide durchaus amüsant fand. Schnell wurde uns in der Affenhitze draußen wieder so warm, dass wir kaum angekommen in der schönen Küstenstadt Zadar mitten in der Stadt nach einer Abkühlung brauchten – zur Belustigung sämtlicher Touristen. Badehose oder Bikini werden schließlich überbewertet, wenn man doch auch ganz einfach mit Klamotten baden gehen kann. Diese kühlen schließlich sogar im Nachhinein. Eine kleine Stadttour ließ man sich dann auch noch gefallen, aber nur, weil es zur Belohnung ein Eis gab.
Nach einem Großeinkauf bei Plodine in Zadar konnte schließlich endlich der große Grillabend starten. Koteletts, Hähnchenbrüste, Gemüse und Käse, alles garniert mit schön viel Knoblauch, schmeckte jedem. Der ein oder andere Bekam gleich dazu noch eine Überdosis Ajvar ab. Aber wer weiß, vielleicht half das ja gegen den Knoblauchgestank, aufgrund dessen sich uns wohl niemand mehr freiwillig die Kletterfelsen streitig machte.

Eine kurze Regendusche in der Nacht auf Freitag ließ einige wenige kurz aufschrecken und die Handtücher von der Leine einsammeln, bevor nochmal alle ein paar Stunden Schlaf abbekamen vor dem Frühstück. Erneut sollte es in den Nationalpark gehen zum Klettern, dieses Mal aber in einen etwas versteckteren Sektor. Dieser war auch wirklich gut versteckt, oder unsere Wegfindungskünste nicht so doll, doch nach einer guten halben Stunde Suche, konnte die Kletterei wieder beginnen. Die stärkeren grasten die wenigen schwereren Routen schnell ab und machten sich schließlich auf den Weg zu den Boulderfelsen, wo einige Projekte gestartet wurden. Alles in allem haben sich alle, allen voraus die Neulinge sehr verbessert und jeder schaffte es an diesem Tag, eine 5b durchzusteigen.
Abends gab es dann eine vegetarische Curryvariante mit viel Gemüse (und Ajvar), die auch wieder ratzeputz verschlungen wurde.

Die Nacht vorm Samstag war dann die Ruhe vor dem Sturm. Schon beim Frühstück wanderten viele sorgenvolle Blicke gen Himmel, wo sich schwarze Wolken türmten. Als dann auch der Wind wieder einsetzte, beschloss die Gruppe einheitlich, dass niemand noch eine Horrornacht im kaputten Zelt mit Plane im Gesicht verbringen möchte, weshalb das Lager einen Tag früher abgebrochen wurde. Alle gemeinsam packten an, die Sachen im Vereinsbus zu verladen und zu guter Letzt das große Gruppenzelt, das in den Jahren zuvor gute Dienste erwiesen hatte, noch in Kroatien zu beerdigen. Mit Keksen und ein wenig Käse, Wurst und Gemüse im Gepäck ging es auf eine Dreizehnstündige Heimfahrt, von der wir allein acht Stunden in Kroatien im Stau verbrachten. Der guten Laune tat dies allerdings keinen Abbruch und so kam man müde und geschafft, aber mit wundervollen Erinnerungen an ein spannendes Klettercamp wieder in der Heimat an.

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